28. Januar 2021

Sterbebegleitung mit ätherischen Ölen:
Hilfe für Sterbende und ihre Angehörigen

Obwohl nichts so unabänderlich ist wie die Tatsache, dass jede und jeder von uns irgendwann sterben muss, zählt der Tod zu den großen Tabuthemen unserer Gesellschaft. Er wird weitgehend ausgeblendet – auch weil die meisten von uns infolge fehlender familiärer Strukturen und spiritueller Werte, die in solchen Situationen Halt geben, schnell überfordert sind, wenn Sie mit dem Thema in Berührung kommen, sei es als Betroffener oder Angehöriger.

Das war früher anders. Da gehörte der Tod wie das Geborenwerden zum Leben, auch, weil beides in der Regel zuhause stattfand. Unser durchgetakteter und auf Effizienz getrimmter Alltag hat diese fundamentalen und prägenden Prozesse in Institutionen und Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeheime verlagert – um nicht zu sagen: „outgesourct“.

Die Hospizbewegung will es anders machen. Besser. Sie will den Tod enttabuisieren und Sterbenden ihre Würde zurückgeben, indem sie das menschliche Leben als Einheit betrachtet, bis in den Tod. Sterbende sollen so lange wie möglich so autonom wie möglich bleiben. Voraussetzung hierfür sind die weitgehende Linderung von Schmerzen und Symptomen schwerster lebensbeendender Erkrankungen durch palliativärztliche und pflegerische Versorgung sowie eine psychosoziale und spirituelle Begleitung der Betroffenen und Angehörigen.
 

Aromapflege in der Sterbebegleitung: Wohlbefinden und Linderung bis zuletzt

In der aromapflegerischen Sterbebegleitung kommen Duftkompressen, Roll-ons, Körperölmischungen, Aromabäder und Waschungen, Massagemischungen und Raumbeduftung zum Einsatz. In Form einfacher Pflegerituale sorgt Aromapflege für genau die Nähe und Zuwendung, die in dieser letzten Lebensphase so wichtig und wertvoll ist. Sie kann eine wichtige unterstützende Rolle spielen, wenn es darum geht, Sterbephasen zu verbessern und Beschwerden zu lindern.

Die größte Stärke der Aromapflege im Rahmen der Betreuung und Pflege von Menschen in der Hospiz- und Palliativarbeit liegt aber in ihrer Fähigkeit, die Kommunikation auf einer emotionalen und spirituellen Ebene zu erleichtern und Wohlbefinden, Frieden und Entspannung zu vermitteln. Dabei ist zu beachten, dass das Einvernehmen von Patienten und Angehörigen zur Anwendung aromapflegerischer Maßnahmen vorliegt.

Die Anwendung ätherischer Öle ergänzt ganzheitliche Pflege- und Betreuungskonzepte in der Hospiz- und Palliativarbeit. Wenn möglich, sollten dabei ausschließlich Düfte verwendet werden, die den sterbenden Menschen positiv stimmen, ihn vielleicht sogar an angenehme Ereignisse erinnern. Welche das sein können, lässt sich oft mit Hilfe der Angehörigen herausfinden.
 

Die wichtigsten ätherischen Öle am Lebensende

Zu den am häufigsten eingesetzten duftenden Ölen zählen Rose, Iris und Sandelholz, aber auch Zeder, Orange und Benzoe Siam. Ich möchte die genannten Öle im Folgenden kurz skizzieren:

  • Rose ist das ätherische Öl, das für den Lebensanfang und das Lebensende steht. Es öffnet das Herz und hilft, sich auf neue Gegebenheiten einzulassen. Es kann stressreduzierend, ausgleichend und beruhigend sein. Auch hier gilt: Die Nase des Patienten gibt die Duftrichtung vor.
  • Das Öl der Iris ist eine wahre Kostbarkeit. In der Sterbebegleitung entfaltet es bereits in niedriger Dosierung und als 1%ige Verdünnung seine Wirkung. Irisöl gleicht seelisch aus, stabilisiert und hilft Sterbenden und Angehörigen loszulassen. Es gilt als „Übergangsöl“ und wird zu diesem Zweck häufig mit 1 Tropfen unverdünnt auf das Kinn aufgetragen. Man sagt, es verbindet Himmel und Erde.
  • Der Duft von Sandelholz beruhigt, richtet auf und ist besonders hilfreich bei Ängsten. Vielfach ist zu lesen, dass Sandelholz als unterstützendes Öl zur Beruhigung eingesetzt werden kann.
  • Zedernöl gibt Kraft, Stärke und die Zuversicht, die es braucht, um die letzte Reise anzutreten. Auch körperlich hilft es bei Juckreiz und ist ein guter Begleiter bei Unruhe.
  • Benzoe Siam gilt als „Seelenmäntelchen“. Das Öl spendet kindliche Geborgenheit und Schutz für wunde Seelen, die in Trauer gefangen sind. Es ist nicht nur ein Haut-, sondern auch ein Seelenstreichler.
  • Der Duft von Orange weckt Kindheitserinnerungen. Das ätherische Öl gilt als „Lichtbringer“ und ist auch in schwierigen Phasen stimmungsaufhellend und wohltuend.

Als gebrauchsfertige Produkte bietet PRIMAVERA mit dem „Wegbegleitungsöl“ (Iris) eine Mischung an, die gerade im Hospizbereich für den Übergangsprozess zwischen Leben und Tod gute Begleiter ist, aber auch im Rahmen der Trauerbegleitung.
 

Die fünf Phasen des Sterbeprozesses

Zu den großen Wegbereiterinnen der Sterbeforschung zählt die gebürtige Schweizerin und Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross (1926 bis 2004). Von ihr stammt die Einteilung des Sterbeprozesses in fünf Phasen. Sie gibt allen Sterbebegleitenden eine Richtschnur im Umgang mit den Betroffenen an die Hand und erleichtert das Verständnis. Natürlich sind die Phasen nicht streng verbindlich, denn, wie gesagt: Jeder Mensch stirbt auf seine individuelle Art und Weise. Die Phaseneinteilung nach Kübler-Ross kann aber dabei helfen, die zur momentanen Phase passenden ätherischen Öle im Rahmen der Begleitung zu finden.

  • Erste Phase: Verleugnung und Verdrängung
    Die Betroffenen wollen die Situation nicht wahrhaben. Betroffene/r und Angehörige fühlen sich gelähmt. Das ist ein Schutzmechanismus, der vor emotionaler Überlastung bewahrt. Schließlich brauchen Annehmen und Verarbeiten Zeit.
    Als gebrauchsfertiges Produkt ist in dieser Phase das Raumspray „Kraft tanken“ zu empfehlen. Die Mischung enthält unter anderem Zedernöl. Wer selbst mischen möchte, kann diese Mischung von Cordula Inglis aus dem Hospiz Essen testen:
    100 ml Mandelöl
    15 Tr. Bergamotte
    10 Tr. Neroli 10%
    8 Tr. Benzoe Siam
    Die Mischung auf den Solar Plexus und die Fußsohlen einreiben.
  • Zweite Phase: Wut und Zorn
    Jetzt steht die Frage „Warum gerade ich?“ im Vordergrund. Diese Phase ist besonders schwierig für alle, die die Betroffenen begleiten. Wichtig ist, verletzende Äußerungen nicht auf sich selbst zu beziehen, sondern als Ausdruck von tiefem Kummer und Verlustangst zu respektieren – als verständliche Eifersucht auf alles, was leben darf.
    Ich empfehle das Raumspray „Ganz entspannt“ mit entspannendem Lavendel und einhüllender Benzoe Siam. Als Einzelöle eignen sich außerdem neben Lavendel fein, besonders die Römische Kamille.
  • Dritte Phase: Verhandeln
    Was kann ich noch tun? Was ist noch möglich? In dieser Phase des letzten Aufbäumens wird mit Gott oder wem auch immer gefeilscht. Manchmal werden in diesem Stadium noch Pläne gemacht: „Dieses Fest möchte ich noch erleben, dann bin ich soweit.“ Sterbende konzentrieren sich auf die Dinge, die (ihnen) letztendlich wichtig sind. Praktische gebrauchsfertige Produkte für diese Phase sind in der Yogaflow-Serie mit Myrte, Grapefruit und Sandelholz zu finden, sei es als Roll-On, Raumspray oder Duftmischung.
    Dieses „Mutöl“ von Cordula Inglis könnt ihr selbst mischen:
    50 ml Mandelöl
    5 Tropfen Zeder
    5 Tropfen Lavendel fein
    5 Tropfen Rose türkisch 10%
    5 Tropfen Bergamotte
  • Vierte Phase: Trauer über Versäumtes
    In dieser Phase werden unerreichte Ziele und nicht realisierbare Zukunftspläne betrauert. Viele Betroffene versinken in Depression und Verzweiflung und ziehen sich zurück. Es ist ein „Kräftesammeln“ für alles, was kommt.
    Hilfreiche gebrauchsfertige Produkte in dieser Phase sind das Raumspray oder der Roll-On „Energiekick“. Der Duftmix aus Douglasfichte, Weißtanne und Grapefruit spendet Kraft und Energie.
  • Fünfte Phase: Einlassen ins Unvermeidliche
    In dieser letzten Phase ist der Blick der Sterbenden ganz nach innen gerichtet. Sie brauchen viel Ruhe, die ist Richtung klar. In dieser Zeit fühlen sich Angehörige häufig zurückgewiesen. Die Zurückbleibenden stehen vor der Herausforderung, loszulassen.
    Aromapflegerisch empfehlen sich hier die Duftmischungen „In Balance“ mit ausgleichender Orange, harmonisierender Rose und sinnlicher Rosengeranie oder „Herzenswärme“ mit Rose, Vanille und Sandelholz.
    Wenn es Zeit zum Abschiednehmen ist, empfehle ich das bereits genannte „Wegbegleitungsöl“ oder das gebrauchsfertige „Lass los“ als Duftmischung.
    Manche Angehörige möchten helfen, wenn es darum geht, den oder die Verstorbene/n zu waschen und herzurichten. Auch das kann wertvoll für die spätere Trauerarbeit sein.
    Waschung von Cordula Inglis:
    10 ml Mandelöl
    1 Tropfen Iris 1%
    1 Tropfen Rose türkisch 10%
    1 Tropfen Zeder
     
Aromapflege zur Linderung von körperlichen Beschwerden

In der Sterbebegleitung steht die ganzheitliche Betrachtung körperlicher und seelischer Beschwerden im Mittelpunkt. Haben die Betroffenen Schmerzen, so muss der Fokus auch darauf gerichtet sein. Riecht es im Krankenzimmer schlecht, kann Beduftung gezielt helfen, dass sich sowohl die Sterbenden als auch Angehörige und Schwestern bzw. Pfleger wieder leichter und lieber im Krankenzimmer aufhalten.

Gibt es Probleme beim Ein- und Durchschlafen, oder bestimmen Ängste und Panik die Tage und Nächte des Betroffenen, so können auch hier Düfte und Mischungen aus der Aromapflege-Serie für Erleichterung sorgen. Etwa durch begleitende Massagen mit unserem ausgleichenden und wärmenden „Entspannungsöl“ mit Benzoe Siam und Lavendel. Auch das „Hautstärkungsöl“ und „Intimpflegeöl“ erleichtern die tägliche Grundpflege und sorgen für Wohlbefinden. Bei schmerzenden Gliedern und Muskelgruppen kann das „Muskel- und Gelenköl“ gute Unterstützung leisten. Zeigen sich Hämatome, Schwellungen oder Ödeme, hat sich die Anwendung unseres „Akut-Einreibungsöls“ bewährt.

Auch die Mundpflege ist bis zuletzt ein zentrales Thema. Sterbende haben immer weniger Hunger und Durst. Es ist, als würden sie sich langsam allem Irdischen entziehen. Das ist ein natürlicher Prozess, denn durch Hunger und Durst kommt es zur Ausschüttung von körpereigenen Morphinen, die euphorisierend wirken und die Sterbenden in eine gelöste, schläfrige Stimmung versetzen. Umso wichtiger ist eine regelmäßige, sanfte Mundpflege, etwa mit unserem „Mund-Vital-Öl“. Lest dazu gerne auch nochmal in unseren News zum Thema Mundpflege nach. Die Mundpflege bildet übrigens auch eine gute Möglichkeit, die Angehörigen einzubinden, die sich im Sterbeprozess oft hilf- und nutzlos fühlen.

Von Kopf (Dufterleben über Nase und Gehirn) bis Fuß (Massage) derart gepflegt und schützend eingehüllt, habt ihr alles Denkbare getan, den Sterbenden in Frieden gehen zu lassen – und den Angehörigen Trost und Kraft zu spenden.
 

Und noch ein paar Tipps...

Das war diesmal für mich kein leichtes Thema, aber wie wir aus vielen Rückmeldungen von eurer Seite wissen, ein wichtiges. Umso mehr hoffe ich, euch mit dieser Ausgabe ein paar nützliche Hinweise gegeben zu haben.

Ein weiterer Lesetipp, den ich euch ans Herz legen kann, ist dieses Buch:
„5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die Ihr Leben verändern werden“ von Bronnie Ware. In ihrem Buch erzählt die australische Sterbebegleiterin von ihren Begegnungen und berührenden Gesprächen mit Sterbenden, die ihr Leben tiefgreifend verändert haben.



Euch allen nun ein hoffnungsvolles und gesundes Jahr 2021.
Passt auf euch auf und liebe Grüße, eure

 

         Lena Schröder


Kontakt zu PRIMAVERA:
aromaberatung@primaveralife.com
Telefon: +49 8366-8988-878

Weitere News

^Top