24. Februar 2020

Aromapflege in der Prävention und Versorgung von Mundproblemen

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor allem diejenigen unter euch, die in der palliativen Pflege arbeiten, wissen, dass Mundpflege ein wichtiges, aber auch schwieriges Thema ist. Viele Patient*innen können nicht mehr essen, trinken oder schlucken und haben dadurch kaum noch Speichel. Diese Trockenheit kann nicht nur unangenehm und äußerst schmerzhaft sein – sie bildet auch den idealen Nährboden für Beläge, Borken, Infektionen und starken Mundgeruch.

Als ganzheitlich orientierte, unterstützende Maßnahme bietet der Einsatz von ätherischen Ölen, Pflegeölen und Pflanzenwässern im Rahmen der Aromapflege die Möglichkeit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität von stark pflegebedürftigen und sterbenden Menschen auch bei solchen Problemen deutlich zu steigern. Durch eine präventive Aroma-Mundpflege im Rahmen der täglichen Mundhygiene lassen sich außerdem viele häufig auftretende Beschwerden vermeiden.

Zu den wichtigsten Einsatzgebieten von Aroma-Mundpflege zählen

  • Mundtrockenheit
  • Mundgeruch
  • Beläge
  • Befall mit pathogenen Keimen wie Parodontitis oder Hefepilzen.

Welche Öle kommen zum Einsatz und wie wirken sie?

Das Spektrum der ätherischen Öle, die bei der Aroma-Mundpflege zum Einsatz kommen, ist groß. Welches Öl im Einzelfall angewendet wird, hängt zum einen von der erwünschten Wirkung, zum anderen aber von den Vorlieben und individuellen Präferenzen des oder der jeweiligen Pflegebedürftigen ab (dazu unten mehr).

Grundsätzlich haben viele ätherische Öle wie beispielsweise Pfefferminze und Zitrone eine adstringierende, also zusammenziehende Wirkung. Dadurch regen sie den Speichelfluss an und unterstützen die Befeuchtung der Mundschleimhaut. Ist das Immunsystem von Patient*innen geschwächt und die natürliche Schutzbarriere der Haut und Schleimhäute aus dem Gleichgewicht, können sich leicht Pilze breitmachen. Auch hier kann Aromapflege unterstützend ansetzen, indem sie die körpereigene Abwehr unterstützt und für ein ausgewogenes Verhältnis aller Haut- und Schleimhaut-„Bewohner“ sorgt.

Für die Mund-Aromapflege besonders geeignete ätherische Öle sind Lavendel fein und Manuka, aber auch viele andere (siehe dazu auch die Rezepte am Ende des Beitrags). Gerade der Synergieeffekt verschiedener Öle macht individuelle Mundpflegemischungen zu einer starken Maßnahme, die sich als sehr wirkungsvoll in der Prävention und Begleitung der häufigsten Beschwerdebilder in der palliativen Pflege erwiesen hat. Wenn du nicht selbst mischen kannst oder darfst, lohnt es sich, auf Fertigprodukte, wie das Mund-Vital-Öl von PRIMAVERA zurückzugreifen. Es wurde speziell für die Ansprüche pflegebedürftiger Menschen entwickelt und garantiert bei fachgerechter Anwendung Rechtssicherheit für dich als Pflegefachkraft.

Wichtig: Alle Öle müssen bei oraler Anwendung verdünnt werden

Ein Vorzug der Aroma-Mundpflege: Die Öle wirken bei Aufnahme über die Schleimhaut deutlich schneller als etwa bei einer Einreibung oder Massage auf der Haut. Daraus folgt im Umkehrschluss aber auch, dass sie niemals unverdünnt angewendet werden dürfen! Vielmehr sollte immer eine Mischung aus Pflegeölen und ätherischen Ölen erstellt werden. Auf diese Weise lassen sich gerade schwache Patienten mit einem feinen, angenehmen oder „leckeren“ Aroma wie Orange oder Ingwer für eine aromapflegerische Maßnahme gewinnen, ohne sie oder ihn zu überfordern.

Zur Verdünnung kommen hochwertige Pflegeöle und Pflanzenwässer infrage. Für die Mundpflege besonders hervorzuheben sind sogenannte „Wirk-Öle“, die als Basis dienen, selbst aber auch hautregenerierende und entzündungshemmende Eigenschaften mitbringen. Dazu zählen Sanddornfruchtfleischöl, Kokosöl und Sesamöl. Zusammen mit Mandelöl und einigen wenigen ätherischen Ölen in geringer Konzentration ergeben sich wohltuende Mischungen für die tägliche Pflege. Viele Pflegefachkräfte schwören für ihre aromapflegerischen Anwendungen außerdem auf Honig, denn er schmeckt süß und hat zahlreiche positive Eigenschaften.

Gerade in der Mundpflege ist es wichtig, auf fein abgestimmte Mischungsverhältnisse zu achten. Hier dürfen Pflegeöle und Pflanzenwässer als sanfte Aromapflege im Vordergrund stehen, die ätherischen Öle sind wirksame Zugabe. Kosmetische Mischungen bewegen sich in einer Einsatzkonzentration der ätherischen Öle bis drei Prozent, das heißt auf 50 ml Mandelöl kommen bei 1-prozentiger Einsatzkonzentration ca. 10 Tropfen ätherisches Öl. Aber wie überall gilt auch hier: Weniger ist mehr. Besonders bettlägerige oder kranke Menschen freuen sich über eine sanfte und wohltuende Mischung. Siehe dafür auch unten unsere Dosierungsempfehlungen.

Dosierung

Der individuelle „Geschmack“ des pflegebedürftigen Menschen entscheidet mit

Die Herausforderung bei der Aroma-Mundpflege: Wie keine andere Maßnahme erfordert sie großes Vertrauen zwischen pflegebedürftiger Person und Pflegekraft. Das mag einer von vielen Gründen sein, warum die Aromapflege im Alltag oft nicht den Stellenwert hat, der ihr eigentlich gebührt. Häufig setzt die systematische Mundpflege vielmehr erst dann ein, wenn die Beschwerden ein noch tolerables Maß längst überschritten haben.

Viele Patienten empfinden ihren Mund gerade bei krankhaften Veränderungen oder starker Geruchsbildung als sehr intime und schambehaftete Zone und sind einer entsprechenden Pflege gegenüber zunächst nicht aufgeschlossen. Dann wird die Pflege abgelehnt, der Mund zusammengekniffen oder der Kopf einfach zur Seite gedreht.

Lass dich davon nicht entmutigen. Aroma-Mundpflege erfordert viel Geduld und Vertrauen zwischen Pflegebedürftigem/r und Pflegekraft. Auch die Angehörigen sollten in die tägliche Anwendung integriert werden. Um Vertrauen aufzubauen, sind sensible Kontaktaufnahme und Kontinuität in der Betreuung wichtig, vor allem aber – man kann es nicht häufig genug sagen –, dass die Wünsche des Patienten berücksichtigt werden.

Im zweiten Schritt geht es darum, der pflegebedürftigen Person die Mundpflege mit einem feinen Aroma schmackhaft zu machen. Viele Pflegefachkräfte haben für diesen „Einstieg“ mit Pflanzenwässern gute Erfahrungen gemacht. Geeignet sind unter anderem Rosenwasser, das schmerzlindernd und regenerierend auf die Haut wirkt, oder Pfefferminzwasser, das kühlt und erfrischt. Dabei ist zu beachten, dass Pflanzenwässer meist einen starken Eigengeschmack haben, den viele Patienten als ungewohnt empfinden. Sie sollten deswegen, wenn möglich, gut erläutert und behutsam angewandt werden.

Auch das vorsichtige Befeuchten der Lippen mit Honig oder einem wohlschmeckenden Pflegeöl kann für die erforderliche Offenheit sorgen. Meist bekommst du so schnell ein gutes Gefühl dafür, was der oder die Pflegebedürftige mag, weil der Mund geöffnet oder die Lippen abgeleckt werden. Bei sehr verspannter Gesichtsmuskulatur kann eine leichte Massage der entsprechenden Stellen mit Mandelöl und einem Tropfen Rosengeranie oder Ylang-Ylang gute Dienste leisten.

Rezept Mundpflegeöl
1 Esslöffel Sanddornfruchtfleischöl
1 Tropfen Orange bio
Die Zutaten mischen und den Mund und die Lippen sanft ausstreichen.

Sanfte Pflege bei Mundtrockenheit
50 ml Rosenhydrolat
1 Topfen Lorbeer
1 Tropfen Zitrone
1 Tropfen Salbei
Die Zutaten durch kreisende Bewegungen mischen und sanft auftupfen.

Balsam gegen Lippenbläschen
Dieser Pflegebalsam schützt die Lippen und ist für die tägliche Pflege geeignet.
25 ml Sheabutter bio
10 Tr. Sanddornfruchtfleischöl bio
2 Tr. Melisse bio 30%
Die Sheabutter im Wasserbad (max. 50 °) schmelzen und dann die ätherischen Öle und das Sanddornfruchtfleischöl gut einrühren. In den Kühlschrank stellen und (ca. 1 Tag) kalt werden lassen. Bei Bedarf mit dem sauberen Finger auf die Lippen auftragen.

Viele Pflegefachkräfte, die schon lange mit Aroma-Mundpflege arbeiten, können berichten, dass viele konventionelle Mundpflegemittel mit zweifelhaften Nebenwirkungen unter dem Einsatz ätherischer Öle kaum noch zum Einsatz kommen, etwa säurehaltige Lutschpastillen, Salben, Mundschutzgels oder Mundspüllösungen. Der Grund: Die natürlichen Mischungen werden besser angenommen und erfüllen ihren Zweck einer wohltuenden Pflege deutlich besser.

Das Wohlbefinden des Pflegebedürftigen ist das oberste Gebot

Egal, was du im Einzelnen tust und welches Öl du einsetzt: Wichtig ist, dass die Aromapflege Probleme lindert und dem pflegebedürftigen Menschen die Möglichkeit gibt, Wohlbefinden und Lebensqualität zu erhalten oder zurückzuerlangen.

Ich danke Dir für dein Interesse an diesem aus unserer Sicht ganz wichtigen Thema. Wenn dir die Aromapflege-News gefallen haben, empfehle sie gerne weiter. In unserer Facebookgruppe gibt es weitere Möglichkeiten des kollegialen Austauschs, für Fragen steht dir unsere Aromapflege-Fachberatung gerne zur Verfügung.

         Lena Schröder


Kontakt zu PRIMAVERA:
aromaberatung@primaveralife.com
Telefon: +49 8366-8988-878

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