22. Januar 2020

Ätherische Öle auf nicht intakter Haut?

Liebe Leserin, lieber Leser,

sicher kennt ihr diese Situation aus eurer eigenen Arbeit mit ätherischen Ölen: Jemand fragt, welches Öl oder welche Anwendungsform bei bestimmten Beschwerden empfehlenswert ist. Du gibst unter dem wachsamen Ohr von Kolleg*innen oder anderen in der Aromapflege Tätigen Deine Empfehlung ab – und steckst mitten in einer Grundsatzdiskussion: „Öl X oder Y bei Problem Z? Das geht ja gar nicht! In einem solchen Fall muss man immer Öl A oder B nehmen“. Oder: „Warum soll das Öl verdünnt werden? Das kannst Du doch direkt auftragen“! Häufig hört man auch: „Also ich habe bei Patient*innen mit genau den gleichen Beschwerden immer die besten Erfahrungen mit C gemacht. Da würde ich niemals etwas anderes ausprobieren.“

Kommt dir bekannt vor? Na bitte.

Ich selbst habe erst vor wenigen Tagen eine solche Diskussion verfolgt. Dabei ging es um die Frage, ob ein bestimmtes ätherisches Öl direkt bei Wunden der Hautoberfläche verwendet werden kann oder soll.

Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass solche Diskussionen – solange sie inhaltlich und in der Form konstruktiv geführt werden – sinnvoll und notwendig sind. Denn zum einen dienen sie dem kollegialen Austausch und der Erweiterung unseres Wissens und Erfahrungsschatzes. Zum anderen zeigen sie, dass die Arbeit mit diesen wunderbaren duftenden ätherischen Ölen für die meisten von uns eine Herzensangelegenheit ist. Und da schlagen die Wogen eben schnell mal höher.

Diskussion ist wichtig. Aber sie darf die Regeln nicht außer Kraft setzen.

Trotzdem möchte ich die Debatte über den Einsatz von ätherischen Ölen bei Wunden auf der Haut zum Anlass nehmen, einige Punkte aus unserer Perspektive klarzustellen – und bei dieser Gelegenheit vielleicht die eine oder andere inhaltliche Frage zu beantworten.

Für uns von PRIMAVERA ist ganz klar: Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenwirkstoffe, die meisten von ihnen sind haut- und schleimhautreizend. Sie dürfen mit einigen wenigen Ausnahmen nicht pur angewendet werden und nicht mit den Augen oder Schleimhäuten in Berührung kommen. Deswegen haben sie auch auf Wunden grundsätzlich nichts verloren – außer, der aromatherapeutisch versierte Arzt hat das genauso so verordnet, denn die Behandlung offener Wunden fällt in den Kompetenzbereich von Ärzten und Heilpraktikern. Das heißt: Wir sprechen dann nicht mehr von AromaPFLEGE, sondern von AromaTHERAPIE. Allerdings gibt es auch hier wieder Ausnahmen: Solange sich der Einsatz der ätherischen Öle auf die intakte Haut der Wundränder beschränkt, kann er im Rahmen des Wundmanagements auch durch eine im Umgang mit Pflanzenwirkstoffen versierte Pflegekraft durchgeführt werden.

Für die Hautpflege empfehlen wir, 100 % naturreine ätherische Öle grundsätzlich in Mischungen mit einem Bio Pflegeöl anzuwenden. Von der innerlichen Einnahme raten wir grundsätzlich ab! Auch sie gehört in den Verantwortungsbereich von Ärzten und Therapeuten. Ätherische Öle sollten außerdem kindersicher aufbewahrt werden, abseits von Wärmequellen und lichtgeschützt. Weil sie leicht entflammbar sind, sollten sie auch von offenem Feuer ferngehalten werden.

Für die pure Anwendung auf der Haut empfehlen wir ausschließlich unsere 100 % naturreinen ätherischen Öle Lavendel fein, Pfefferminze und Teebaum. Auch diese Öle sollten nicht im Gesicht, nicht auf Schleimhäuten oder zu nah an den Augen eingesetzt werden, zur zusätzlichen Begleitung der Wundheilung nur an den Wundrändern.

Natürliche Methoden boomen. Das lockt auch unseriöse Anbieter.

Mit dem steigenden Interesse an naturheilkundlichen und komplementären Methoden hat sich der Wettbewerb in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. In diesem Zuge sind – zum Teil sehr aggressiv auftretende – Mitbewerber dazugekommen. Einige von ihnen haben nicht nur deutlich andere Vorstellungen als PRIMAVERA, was die Qualität ätherischer Öle betrifft. Sie propagieren auch Dosierungen und Anwendungsformen, die für uns ein absolutes „No Go“ sind und der Haltung führender Wissenschaftler widersprechen. In der einschlägigen Literatur finden sich dazu viele Studien.

PRIMAVERA pflegt einen intensiven Austausch mit renommierten Persönlichkeiten aus Klinik, Wissenschaft, Forschung, Wirtschaftswelt und Anwenderpraxis. Unser 2017 gegründetes Wissenschaftliches Kuratorium hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Etablierung der Aromatherapie und -pflege zügig voranzutreiben. Gemeinsam mit den PRIMAVERA-Gründern und -eigentümern Ute Leube und Kurt L. Nübling sowie Verantwortlichen im Unternehmen werden die vielfältigen Herausforderungen diskutiert. Der fakultätsübergreifende Ansatz ermöglicht die Vernetzung von Expert*innen auf Spitzenniveau. Themenfelder sind z. B. die gesetzlichen Deklarationsvorgaben für Aromatherapie-Produkte (Regulatory Affairs) sowie Fragen, wie die Aromatherapie mit ihren vielfältigen Einsatzmöglichkeit und Wirkungsweisen noch besser bekannt gemacht werden kann.

Die Tatsache, dass immer wieder verwirrende oder sogar falsche Informationen in Umlauf gebracht werden, zeigt, wie wichtig Aufklärung, fundierte Information und hohe Ausbildungsstandards sind. Höchste Qualität und Sicherheit sowohl bei den 100 % naturreinen ätherischen Ölen selbst als auch bei ihrer Anwendung ist und bleibt deswegen eines unserer Hauptanliegen. Dafür werden wir uns auch in diesem Jahr weiter engagieren, denn wir wollen verhindern, dass die seriös und professionell angewandte Aromatherapie, die aus vielen Einrichtungen nicht mehr wegzudenken ist, in Verruf gerät.

Natürlich können wir niemanden davon abhalten, sich selbst mit ätherischen Ölen zu pflegen, wie er oder sie es für richtig hält. Anders verhält es sich in der professionellen Aromapflege. Die Rechtslage gibt hier vor, was von wem gemacht werden darf. Qualifizierte Aromapfleger*innen sollten sich daher niemals als Gegenspieler von Ärztinnen und Ärzten positionieren oder in energieraubende Kompetenzgerangel verstricken lassen, sondern sich mit ihrem Fachwissen und ihrer spezifischen Expertise konstruktiv und beratend einbringen.

Regelmäßiger Austausch und verbindliche Standards sind das A & O

Um dem aromapflegerischen Austausch dezidiert Raum zu geben, haben inzwischen zahlreiche Einrichtungen sogenannte Aromazirkel etabliert. In diesem Rahmen treffen sich die entsprechenden Mitarbeiter*innen regelmäßig, informieren sich über neue Studien und tauschen ihre Erfahrungen aus. Diese Zirkel haben sich bewährt und sind uneingeschränkt zur Nachahmung empfohlen.

Mindestens ebenso ratsam ist die Entwicklung von verbindlichen Standards. Dazu gehören unter anderem laienverständliche Informationen, die zu Pflegende und Patient*innen vor der aromapflegerischen Anwendung unterschreiben sollten. Das ist kein überflüssiger Papierkram, sondern zeigt, dass sich die jeweilige Einrichtung einem hohen Transparenz- und Qualitätsanspruch verpflichtet fühlt. Schließlich geht es um das Wohlergehen und die Sicherheit von Pflegebedürftigen und Patient*innen.

Ätherische Öle: „Nicht invasive Intervention mit erheblichem Benefit“

Wie groß der Nutzen aromapflegerischer und -therapeutischer Anwendungen ist, zeigt eine aktuelle Veröffentlichung in der Dezember-/Januar-Ausgabe des PraxisMagazins (https://www.praxismagazin-online.de/die-aktuelle-ausgabe/). Darin gehen die Autoren auf die vielfältigen wissenschaftlich untersuchten und belegten Wirkungen ätherischer Öle ein und zeigen unter anderem anhand demoskopischer Analysen ihren anerkannten Nutzen in der medizinischen Praxis. So setzen die für die Untersuchungen befragten Ärzt*innen sie insbesondere bei Schlafstörungen, Nervosität und Angstbeschwerden, aber auch bei (akuten und chronischen) Schmerzen und Atemwegserkrankungen ein – auch, weil die Therapie mit ätherischen Ölen „vor allem bei Patientinnen ein hohes Maß an Akzeptanz“ besitzt.

Der zitierte Beitrag enthält einen weiteren wichtigen Hinweis: „[...] Weder Ärzte noch Arzthelferinnen [haben] in aller Regel eine Ausbildung zur Therapie mit ätherischen Ölen und das entsprechende Fachwissen.“ Das heißt: DU als Aromaexpert*in bist gefragt! Und weiter: „Ferner [...] möchten die befragten Ärzte auf einen Fundus erfolgreich getesteter Rezepturen zurückgreifen.“ An dieser Stelle verweise ich gerne einmal mehr auf unsere sicherheitsbewerteten Rezepturen: https://www.primaveralife.com/pub/media/ecatalog/sicherheitsbewertete-rezepturen/index.html

Die einfachste Lösung: Fertigprodukte für die Aromapflege

Aromapflege braucht fundierte Ausbildung, gute Vorbereitung und kontinuierliche Absprache, ist dann aber eine echte Bereicherung für Pflegebedürftige und Pflegende. Wo Unsicherheit in Bezug auf die Anwendung von ätherischen Ölen besteht, kann alternativ auch auf Fertigprodukte zurückgegriffen werden. Diese Fertigmischungen sind vom Hersteller sicherheitsbewertet. Das schließt Haftungsrisiken aus und macht die Anwendung unbedenklich. Werden solche Mischungen eingesetzt, können Ärzt*innen Pflegefachkräfte also guten Gewissens gewähren lassen.

Ich danke Dir für dein Interesse an diesem aus unserer Sicht ganz wichtigen Thema. Wenn dir die Aromapflege-News gefallen haben, empfehle sie gerne weiter. In unserer Facebookgruppe gibt es weitere Möglichkeiten des kollegialen Austauschs, für Fragen steht dir unsere Aromapflege-Fachberatung gerne zur Verfügung.

         Lena Schröder


Kontakt zu PRIMAVERA:
aromaberatung@primaveralife.com
Telefon: +49 8366-8988-878

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