11. Dezember 2019

Teebaumöl fördert keine Resistenzen

Obwohl die damaligen Versuche nur „in vitro“, also im Reagenzglas und nicht an Versuchstieren oder gar am Menschen durchgeführt wurden, wird die Studie bis heute oft gegen die Verwendung von Teebaumöl herangezogen.

Der Arztbesuch einer Mutter setzte das Thema einmal mehr auf die Tagesordnung: Sie hatte ihren Säugling im Windelbereich mit einer Mischung aus Hydrolaten und ätherischen Ölen behandelt. Diese Mischung enthielt u.a. Teebaumöl. Die Kinderärztin der Familie riet von dieser Behandlung ab: Die ätherischen Öle seien sehr niedrig dosiert und könnten daher zu Resistenzen bei Bakterien führen, d.h. die Bakterien könnten eine Widerstandsfähigkeit gegen Antibiotika entwickeln. Die Ärztin berief sich dabei auf eine ältere Veröffentlichung im Ärzteblatt. Diese wiederum hatte sich auf eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahre 2006 berufen.

Teebaum bio 6 ml

In ihrer Stellungnahme vom Dezember 2019* für das FORUM ESSENZIA e.V. weist die klinische Psychologin und Psychotherapeutin Dr. rer. nat. Eva Heuberger (Universität des Saarlandes, Saarbrücken) auf Unstimmigkeiten dieser Aussage hin. So hatten die Forscher bei ihren Untersuchungen zwar beobachtet, dass bestimmte Bakterienarten nicht mehr so gut auf Antibiotika reagieren, wenn sie vorher niedrig dosiertem, also stark verdünntem Teebaumöl ausgesetzt waren. Allerdings stellte sich später heraus, dass das Verhalten der Bakterien nur vorübergehend war: Die leichte Unempfindlichkeit der Bakterien gegen Antibiotika bildete sich also wieder zurück. Heuberger, die auch Mitglied des Wissenschaftlichen Kuratoriums von PRIMAVERA ist, schreibt weiter: „Es bleibt jedoch umstritten, ob es überhaupt eine Antibiotika-Unempfindlichkeit von Bakterien durch verdünntes Teebaumöl gibt. Andere Wissenschaftler konnten die ursprünglichen Ergebnisse nicht bestätigen.“

Außerdem sei zu berücksichtigen, dass die Beobachtungen aus „in vitro“-Versuche nicht eins zu eins auf Menschen übertragbar seien. Bisher sprechen nach Aussage der Expertin alle Erfahrungen dagegen, dass ätherische Öle die Wirksamkeit von Antibiotika verringern. Im Gegenteil: Zahlreiche Beobachtungen zeigten, dass ätherische Öle die Wirksamkeit von Antibiotika sogar verstärken kann.

Wer sichergehen möchte, sollte Pflegeprodukte mit Teebaumöl oder Teebaumhydrolat nicht ausschließlich und über längere Zeiträume hinweg anwenden. Stattdessen sollten Pflegeprodukte und ätherische Öle und Hydrolate immer wieder gewechselt werden. So lässt sich die Bildung von Resistenzen auf jeden Fall vermeiden.

*Veröffentlichung von FORUM ESSENZIA e. V./Österreichische Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie (ÖGwA) vom Dezember 2019 – www.forum-essenzia.org

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