
Vagusnerv: Mit Duft in den Ruhemodus
Als wichtigster Nerv des Parasympathikus ist der Vagusnerv maßgeblich an der Regulation lebenswichtiger Körperfunktionen beteiligt. Außerdem hilft er uns, zu entspannen und zu regenerieren.
Nicht alles, was im Netz als „Vagus-Hack“ kursiert, ist wissenschaftlich belegt. Anders sieht es bei kontrollierter Atmung und etablierten Entspannungsverfahren mit ätherischen Ölen aus. Ihre Wirkung ist gut dokumentiert.
Der Vagusnerv ist der zehnte Hirnnerv, der sich vom Hirnstamm durch den Hals bis in die Brust- und Bauchorgane wie Herz, Lunge, Magen und Darm zieht und alle miteinander verbindet. Besonders interessant ist seine Funktion innerhalb des vegetativen Nervensystems.
Als Gegenspieler des Sympathikus, der uns in Aktionsmodus versetzt und schnelle Energie bereitstellt, unterstützt der Parasympathikus sämtliche Prozesse, die mit Ruhe, Verdauung und Regeneration verbunden sind. Der Vagus ist dessen wichtigste Nervenverbindung.
Dabei ist die Vorstellung, dass der Vagusnerv einfach wie ein „Aus-Schalter“ für Stress betätigt werden kann, nicht korrekt. Denn welche genaue Reaktion vagale Signale auslösen, hängt von der jeweiligen Situation und vom Zustand des Organismus ab. Ziel ist es, das vegetative Nervensystem dabei zu unterstützen, flexibel zwischen Aktivierung und Regeneration zu wechseln.
Was Düfte mit dem vegetativen Nervensystem zu tun haben
Hier kommt die Aromatherapie ins Spiel. Naturreine ätherische Öle stimulieren den Vagusnerv auf vielschichtige Weise: Duftmoleküle gelangen – umgewandelt in elektrische Reize – direkt in die Regionen des Gehirns, die Emotionen, Erinnerungen und Stressverarbeitung steuern.
Im Zusammenspiel von bewusster Duftwahrnehmung und langsamer Atmung entsteht ein wohltuendes und wirkungsvolles Entspannungsritual.
Lavendel, Bergamotte & Co.: Diese Öle unterstützen entspannende Rituale
Anusati Thumm, unsere langjährige Seminarleiterin und international bekannte Aromatherapie-Expertin, stellt die Situation dar: „Auch wenn verschiedene Studienergebnisse noch kein Beleg für eine direkte positive Vagusnervstimulation durch ätherische Öle sind, spricht Vieles dafür, dass bestimmte Düfte Entspannungsprozesse begleiten und die Regulation des autonomen Nervensystems unterstützen können.“
Als besonders geeignet empfiehlt sie folgende Öle:
- Lavendel ist der Klassiker bei Anspannung und innerer Unruhe. Sein krautig-blumiger Duft eignet sich besonders für den Übergang von Aktivität zu Ruhe – beispielsweise nach einem arbeitsreichen Tag oder vor dem Einschlafen.
- Bergamotte verbindet die Frische einer Zitrusfrucht mit einer entspannenden Duftnote. Sie eignet sich deshalb besonders für Situationen, in denen zwar innere Ruhe gefragt ist, gleichzeitig aber Wachheit und Konzentration erhalten bleiben sollen.
- Mandarine wird in der Aromatherapie wegen ihres warmen, fruchtigen Duftes traditionell bei Nervosität und Anspannung eingesetzt. Sie eignet sich gut für abendliche Rituale und lässt sich mit Laven-del kombinieren.
- Römische Kamille zählt zu den besonders sanften ätherischen Ölen. Ihr warmer, krautig-fruchtiger Duft wird traditionell bei Unruhe und emotionaler Anspannung eingesetzt.
- Auch holzige Düfte wie Zeder oder Sandelholz können entspannende Rituale unterstützen.
Bewusst atmen: der einfachste Impuls für das vegetative Nervensystem
Eine der unkompliziertesten Möglichkeiten, das vegetative Nervensystem positiv zu beeinflussen, ist kontrolliertes, langsames Atmen. Besonders eine verlängerte Ausatmung kann entspannend wirken. Duft und Atmung lassen sich dabei ideal miteinander verbinden.
Dazu beispielsweise 1 Tropfen Lavendel fein bio* oder Bergamotte bio* auf ein Duftvlies oder einen Duftstein geben. Bequem hinsetzen und den Duft bewusst wahrnehmen. Langsam durch die Nase einatmen und anschließend etwas länger wieder ausatmen. Dies einige Atemzüge lang wiederholen, ohne die Atmung zu erzwingen.
Ohrmassage (als Selbst- oder Partnermassage)
- 5 Milliliter Mandelöl bio*
- 1 bis 2 Tropfen Lavendel fein bio*
- 1 Tropfen Benzoe Siam bio* und
- 1 Tropfen Mandarine rot bio*
oder
Das Öl zwischen den Fingern verreiben und auf das ganze Ohr und hinter dem Ohr auftragen. Hinter den Ohren entlang des Schädelknochens von unten nach oben massieren. Anschließend die Ohrläppchen von innen nach außen ziehen. Für den oberen Teil die Daumen in die Ohren setzen, Zeige- und Mittelfinger nach hinten ausstreichen.
Beim unteren Teil der Ohren die Daumen hinter den Ohren halten und die Ohren gleichmäßig ausziehen. Zum Abschluss sanft über die Lymphe vom Ohr zum Schlüsselbein hinunter massieren. Jeden Schritt 3mal hintereinander ausführen.
Duftende Abendroutine
Einige Tropfen einer entspannenden Duftmischungen in einen Diffusor geben und mit einer festen Abendroutine verbinden. Wiederkehrende Abläufe helfen Körper und Geist dabei, vom aktiven Tag in eine ruhigere Phase zu wechseln.
Duftanker für unterwegs
Einen Aroma-Roll-On oder einen Aroma Stick mit entsprechenden ätherischen Ölen nutzen, den Duft für einige Sekunden bewusst wahrnehmen und mit drei bis fünf langsamen Atemzügen verbinden. So entsteht eine kurze Pause, die sich auch in einen hektischen Arbeitstag integrieren lässt.
* aus kontrolliert biologischem Anbau
